Vorab noch ein paar ergänzende Sätze zu den letztens vorgestellten
Trockenfliegen. Diese Fliegen schwimmen einzig Aufgrund der Oberflächenspannung
des Wassers: nur wenn die eingebundene Hechel die Wasseroberfläche nicht
durchstoßen, gehen diese Fliegen nicht unter.
Um die Schwimmfähigkeit zu
erhalten benötigt die Hechel etwas Pflege. Vor dem Fischen und zwischendurch
sollte man sie "einfetten". Hierzu führt der Handel viele, oft recht teure
Mittelchen mit oft noch zweifelhafter Rezeptur.
Von der Evolution erfunden
und seit vielen tausend Jahren bewährt hat sich das Entenbürzelfett, jenes
Sekret mit dem die Wasservögel ihr Federkleid pflegen um es wasserdicht zu
halten. Das Zeugs gibt's im Angelgeschäft, verpackt in kleinen Dosen zu 2 - 3 €,
und eine davon reicht für mehrere Jahre intensiven Fliegenfischens. Einen Hauch
des Fettes zwischen Zeigefinger und Daumen verrieben, dann vorsichtig über die
Hechel verteilt, kurz antrocknen lassen, fertig...
So spannend das Fischen
mit der Trockenfliege auch ist, es macht nur Sinn wenn es Oberflächennahrung
gibt und die Fische auch danach steigen.
Die meisten unserer Fische, und Forellen machen hier keine Ausnahme, nehmen
mehr Nahrung unterhalb als auf der Wasseroberfläche auf. Daß dem so sein muß
leuchtet ein, leben doch die Insektenlarven mehrere Jahre unter Wasser,
wohingegen der Vorgang des Schlüpfens nur einen kurze Moment beansprucht.
Aus
diesem Grund ist die künstliche Nymphe mit das wichtigste Muster in der
Köderdose des Fliegenfischers. Wen wundert's da, daß am Bindeabend des
Fliegenfischerstammtisches auch einige dieser "Fliegen" gebunden wurden.
Zwar nicht im entomologieschen Sinn, vom anglerischen Standpunkt aber sehr wohl, zählt Christophs Bachflohkrebs zu den Nymphen.
Bindeanleitung:
Zuerst wird der Hakenschenkel mit dünnem Bleidraht (gegen den Uhrzeiger!)
bewickelt, anschließsend das Bindegarn am Öhr eingebunden und über den Bleidraht
zum Hakenbogen gewickelt. Der Bleidraht wird dadurch gesichert. Wer will kann
das Ganze zusätzlich mit einigen Tropfen Bindelack verkleben.
Nun wird der
Silberdraht und das Spektraflash am Hakenbogen eingebunden, dann das Garn
gedubbt und damit einen dicken Körper aufgebaut. Das Garn liegt anschliessend in
der Nähe des Hakenöhrs.
Nun formt man den Rückenschild indem man das
Spektraflash über den Körper zieht und in der Nähe des Öhrs festlegt. Im
Anschluß wird der Körper mit wenigen Windungen Silberdraht segmentiert. Dieser
wird dann auch in Öhrnähe festgelegt.
Mit dem Garn wird nun ein kleiner Kopf
geformt, der Abschlußknoten wird gebunden und zum Schluß mit etwas Bindelack
gesichert.
Christoph fischt seinen Bachflohkrebs meist auf Sicht. Er wirft den Bachflohkrebs so, daß die Strömung ihn direkt auf den Fisch zu treibt. Direkt vor der Fischschnauze läßt er den Köder durch anstraffen der Schur steigen. Sehr oft packt der Fisch dann heftig zu, wohl aus Angst der "fette Happen" würde ihm sonst entkommen.
Obwohl "der Jüngste im Bunde", ist Christophs Technik ganz schön vif, läßt sich diese doch auf Altmeister Frank Sawyer zurückführen.
Brian Clarke und John Goddard schreiben hierzu in ihrem Buch "Die Forelle und
die Fliege" [1]:
"Seinen spannendsten Beitrag zum Nymphenfischen
leistete Sawyer [...] mit seiner Anbietetaktik. Seine Technik, die heute
"Induced Take" genannt wird (was soviel wie «veranlaßtes Nehmen» bedeutet und im
deutschen Sprachraum als «Aufsteigenlassen der Nymphe» bezeichnet wird),
entwindet dem Fisch die Initiative in einer Weise, die mit der Methode von Skues
nicht zu erreichen ist.
Das geht folgendermaßen vor sich. Der Angler sieht
eine Forelle stehen und wirft eine Nymphe bis Größe 12 vor den Fisch. Sobald die
Nymphe flussabwärts driftet und sich dicht vor und etwas unterhalb der Nase der
Forelle befindet, wird die Rutenspitze angehoben. Die Nymphe reagiert darauf,
indem sie vor dem Maul der Forelle aufsteigt, und wird von der Forelle in einer
reinen Reflexbewegung gepackt. Der Raubinstinkt der Forelle wird plötzlich
geweckt. Sie wird dazu «veranlaßt», eine Fliege zu nehmen, die sie sonst
vielleicht gar nicht beachtet hatte..."
Die "Phesant Tail", obwohl etwas aufwendiger zu binden, ist Martins Lieblings-Nymphe.
Den Körper aus Kupferdraht formen, diesen am Hakenbogen überstehen lassen.
Den Faden am Hakenbogen einbinden, dann Schwanz aus Fibern vom Fasanenschwanz
einbinden. Den Faden nach vorne zum Torax führen und mit den Fibern den Körper
überwickeln und mit dem Kupferdraht rippen.
An der Torax-Position einige
Fibern aus Fasanenschwanz einbinden, den Faden mit schwarzem Antron dubben und
den Torax formen. (Alternativ kann der Torax auch aus Pfauengras geformt
werden.)
Vor dem Torax die Beinchen aus roter Hennenhechel einbinden und nach
2 Windungen festlegen. Dann beide Enden der Fasanenschwanzfibern als
Flügelscheide nach vorne führen und festlegen. Mit dem Faden einen Kopf binden
und mit Kopfknoten sichern.
Martin verwendet aus Bequemlichkeit zum Sichern keinen Bindelack. Ihm ist deswegen noch keine Fliege aufgegangen. Ab und zu geht mal eine kaputt, dann aber nur weil sie von einer Forelle zerbissen wurde.
Diese Nymphe wird tief gefischt. Sie wird dazu schräg Fluß auf geworfen. Ohne Zug auf der Leine läßt man sie abtreiben. In der Drift sinkt die Nymphe ab. Wenn man die Leine strafft steigt sie wieder auf - und wird dann oft recht stürmisch genommen.
Schon wieder dieses "induced take"!
Nun, genau genommen paßt diese Technik
ganz gut zur "Phesant Tail", gilt doch auch diese als Sawyers
Erfindung...
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[1] Brian Clarke/ John Goddard: Die Forelle und die Fliege, Müller
Rüschlikon 1998 ISBN 3-275-01288-7, S. 110